« Zurück zur Übersicht

Weltkulturerbe: Stadt setzt Sanierungsprogramm fort

Unterkofler: „Mittelfristiges Finanzierungskonzept ist dringend notwendig“

Barbara Unterkofler
Barbara Unterkofler

Weit über ihre Grenzen hinaus ist die Stadt Salzburg für das Weltkulturerbe und ihre zahlreichen Denkmäler bekannt und geschätzt. Es ist unter anderem der große Bestand an historischen Kulturgütern, der die Landeshauptstadt für BewohnerInnen so attraktiv und für Gäste so interessant macht. „Die Bewahrung des Kulturerbes ist für mich nicht nur ein politischer Auftrag, sondern ein ganz persönliches Anliegen. Fakt ist leider aber auch, dass der finanzielle Spielraum für die notwendigen, teils sehr umfangreichen und aufwändigen Sanierungen äußerst begrenzt ist“, erklärt die ressortzuständige Baustadträtin Barbara Unterkofler. Derzeit laufen die Vorbereitungen für das Sanierungs- und Instandhaltungsprogramm 2015, das einige wichtige und sehr interessante Projekte.

Sanierungsprogramm Wehrmauern

Insgesamt ist die städtische Bauverwaltung und die Stadt Salzburg Immobilien GmbH (SIG) für die Pflege von rund 500 Denkmälern, 47 Brunnenanlagen und vier Kirchen (Sebastianskirche, Kirche St. Erhard, Kapelle Schloss Mirabell und Kirche St. Blasius) im Stadtgebiet zuständig. Seit 1990 hat die Stadt alleine in Instandhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen der historischen Wehrmauern (Kapuzinerberg und Mönchsberg), die in den Jahren 1620 bis 1632 errichtet wurden und von denen – von ehemals 9 km – heute noch etwa 6,8 km erhalten sind, mehr als 3,5 Millionen Euro investiert. „Die vom Hochbauamt und den Bergputzern des Kanal- und Gewässeramtes laufend durchgeführten Überprüfungen zeigen, dass die Wehranlagen, die teilweise auf Konglomeratgestein mit labilen, sandigen Schichtbändern stehen, in den vier Jahrhunderten ihres Bestehens durch Witterungseinflüsse und Bewuchs schwer angegriffen wurden. Der Erhaltungsaufwand wird in den kommenden Jahren daher sicher nicht weniger werden“, so die Ressortchefin.

Für 2015 ist am Mönchsberg die Sicherung und Sanierung der Wehrmauer im Bereich oberhalb der Reichenhallerstraße geplant. Im Zuge der Überprüfung wurde festgestellt, dass sich einzelne Gesteinsbrocken aus der Mauer lösen, herunterfallen und dabei Dächer der darunter befindlichen Wohnhäuser beschädigen könnten. Die Kosten für das Projekt betragen rund 350.000 Euro. Am Kapuzinerberg ist nächstes Jahr die Sanierung eines Abschnittes der südseitigen Wehrmauer im Bereich der Arenbergstraße geplant. Hier soll zuerst die Mauer vom Bewuchs befreit und anschließend die losen Steine wieder verfestigt werden. Kosten: ca. 50.000 Euro. Ein weiteres sehr wichtiges Sanierungsprojekt folgt 2016. Auf der Richterhöhe am Mönchsberg (Lodronscher Zwinger) sollen die in mehreren Bauabschnitten begonnenen Sanierungsarbeiten (Außenmauer Sinnhubstraße) fertiggestellt werden. Geschätzte Kosten: ca. 300.000 Euro.

Mittelfristiges Sanierungs- und Finanzierungskonzept

Für die Sanierung und Instandhaltung der Wehrmauern sind pro Jahr rund 400.000 Euro notwendig. „In Zeiten, in denen an allen Ecken und Enden gespart werden muss, ein nicht ganz leichtes Unterfangen.“ Wirtschaftlich sinnvoll ist nur die Sanierung von zusammenhängenden Mauerabschnitten, da Gerüstung und Erschließung der Baustelle allein schon rund 50 Prozent der Gesamtkosten ausmachen. „Ein vom Gemeinderat beschlossenes mittelfristiges Sanierungs- und Finanzierungskonzept wäre hier im Sinne des sorgsamen Umgangs mit Ressourcen und Kulturschätzen dringend notwendig! Das würde einerseits die Planbarkeit der notwendigen Maßnahmen in den kommenden Jahren erhöhen, andererseits aber auch Kosten sparen, da provisorische Maßnahmen zur Gefahrenabwehr nur in ganz dringenden Ausnahmefällen gemacht werden müssten“, erklärt die Ressortchefin. In Anbetracht der in Teilbereichen bestehenden erhöhten Baufälligkeit und den damit verbundenen Gefährdungen sollte sich das Sanierungskonzept auf maximal neun Jahre erstrecken. „Ich habe meine zuständige Abteilung mit der Ausarbeitung eines entsprechenden Amtsberichts beauftragt. Sobald dieser fertig ist, werde ich ihn den Gremien zur politischen Diskussion vorlegen“, kündigt die Baustadträtin an.

Kulturgüter und Denkmäler

Noch im heurigen Herbst setzt die Stadt das im Jahr 2009 begonnene Programm zu Restaurierung der historischen Brunnen in der Altstadt fort. Auf dem Programm stehen zwei Brunnen im Mirabellgarten. Beim Susannabrunnen müssen unter anderem Risse im Becken und der Bodenbelag erneuert werden (Kosten ca. 6.000 Euro), beim Papagenabrunnen werden die Zulaufleitung erneuert und Fehlstellungen im Boden ausgebessert (Kosten ca. 5.000 Euro). 2015 ist die Restaurierung des Nepomuk-Denkmals in Leopoldskron geplant. Die Nepomuk-Figur stammt aus dem Jahr 1741, die sie umgebende Balustrade aus den 60er Jahren. „Dazu muss erst der komplette Untergrund, der in Leopoldskron bekanntlich sehr schwierig ist, ausgetauscht und ein neues Fundament errichtet werden. Die Kosten für dieses Projekt betragen rund 85.000 Euro“, so Unterkofler.

Ein großes Vorhaben im kommenden Jahr ist die Neuerrichtung des Orakelbrunnens am Bahnhofsvorplatz. Nach der Fertigstellung des Umbaus wird jetzt mit der Neugestaltung der Oberfläche am Vorplatz auch der Brunnen neu gestaltet – der bisherige wurde aufgrund seiner Situierung und Ausführung nicht wirklich wahrgenommen und war zudem auch sehr oft außer Betrieb. Die Planungen und Gespräche mit dem Grundeigentümer ÖBB verlaufen äußerst positiv. 325.000 Euro soll der neue Brunnen kosten. Vom Hochbauamt wurden seit 2009 insgesamt rund 730.000 Euro in die Restaurierung von Denkmälern und Kulturgütern investiert.

Die gute Zusammenarbeit mit Partnern wie dem Bundesdenkmalamt und dem Land Salzburg will die Stadträtin fortsetzen bzw. neu ankurbeln. Unterkofler: „Das Land hat sich vor einiger Zeit als langjähriger Unterstützer zurückgezogen, die letzte Subvention erfolgte 2012. Auch wenn die budgetäre Situation bei den Kollegen im Land alles andere als rosig ist, werde ich versuchen, Gespräche hinsichtlich einer finanziellen Beteiligung zu führen. Denn von einer intakten Kultur- und Denkmalpflege profitiert natürlich auch das Umland.“