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Weil ich meinen Heimatort mitgestalten möchte!

Roland Bamberger, Gemeinderat in Obertrum am See, berichtet über seine ersten Erfahrungen in der Gemeindepolitik.

Roland Bamberger - Gemeinderat in Obertrum am See
Roland Bamberger – Gemeindevertreter in Obertrum am See

Eine andere Art der Politik

Nichts ist so unattraktiv wie die Politik! Seit Jahren verfolge ich die Tagespolitik in Österreich und seit Jahren muss ich immer wieder aufs Neue feststellen, hier gibt es Handlungsbedarf. Korruption, Freunderlwirtschaft und Inkompetenz sind jene Begriffe, die mit Politik auf allen Ebenen assoziiert werden. Einer von mehreren Gründen für mich politisch aktiv zu werden und etwas zu ändern. Seit März 2014 sogar als gewählter Volksvertreter.

Horrorszenario Gemeindepolitik

Im Dezember 2013, frisch in meiner neuen Heimatgemeinde Obertrum am See angekommen, beschloss ich zu den Gemeinderatswahlen im März 2014 anzutreten. Warum? Das wurde ich unzählige Male gefragt, sei doch gerade die Gemeindepolitik ein Witz. Schlafende Mandatare, tiefste persönliche Beleidigungen und ein höchstes Maß an Freunderlwirtschaft würden mich erwarten. Warum also? Die Antwort war schnell gegeben: Weil ich meinen Heimatort mitgestalten möchte! Nach einem für mich intensiven Wahlkampf kam der Tag der Wahrheit. Würden mich die Bürger und Bürgerinnen in Obertrum akzeptieren, verstehen warum ich kandidiere und mich dabei unterstützen? Zum Glück konnte ich die Unterstützung im Vorfeld bereits fühlen, da ich innerhalb kürzester Zeit weit mehr als die erforderlichen Unterschriften für eine Kandidatur sammeln konnte. Dennoch blieb es spannend bis zum 9. März, 17 Uhr. Das Ergebnis: 6%, 150 Stimmen, ein Mandat. Geschafft!

Zusammenarbeit statt blödes Gerede

So spannend die Wahl auch war, so aufregend war die Zeit bis zur Angelobung. Der Bürgermeister wollte mich persönlich kennen lernen. Es folgte ein angenehmes Gespräch. Seine indirekte Bitte: Wir arbeiten gemeinsam als Gemeindevertretung für Obertrum, nicht als Parteien für sich. Das sollte so bleiben! Ein schöner Ansatz, dem ich naturgemäß nicht sofort Glauben schenken konnte. Bereits bei der Angelobung kam aber die erste Bestätigung. Kein blödes Gerede bezüglich dem Neuen von NEOS der jetzt einen auf Politik machen will, keine Anfeindungen, keine Seitenhiebe. Was hinter den Kulissen gesprochen und gedacht wurde, kann ich, vielleicht zum Glück, nicht beurteilen. Der Abend der Angelobung endete, fast wie erwartet, im Wirtshaus beim, eher nicht erwarteten, netten und kollegialen Austausch. Politik wie sie etwa sein soll? Wir machen uns wie erwachsene Menschen aus, wie wir zusammenleben und das Leben der Bürgerinnen und Bürger in Obertrum besser gestalten können? Ja, so schien es zumindest.

Das politische Tagesgeschäft und sein Tücken

Nach der Angelobung kamen die Sitzungen, eine nach der anderen. Da ich in jedem Ausschuss bin, wurde der Terminkalender kurzfristig sehr voll! Aber eines blieb: die gute Atmosphäre. Hauptaufgabe der Dienstälteren: Einschulung. Fast die Hälfte der Gemeindevertreter_innen ist nicht nur jung, sondern auch neu und unerfahren. So kam es, dass manche Sitzungen mich an die Schulzeit erinnerten, wo jemand mit mehr Erfahrung uns beibringt, wie es richtig funktionieren soll. Die Gefahr dabei: Es wird so kommuniziert, wie es die ausschließlich aus der ÖVP kommenden Ausschussvorsitzenden gerne hätten. Natürlich ist hier Hausverstand und Skepsis gefragt, um nicht von den erfahrenen Gemeindepolitikern vereinnahmt zu werden. Aber trotz dieses Ungleichgewichts, kann ich bis jetzt keine bedenklichen Beeinflussungsversuche feststellen. Es gibt lebhafte Diskussionen, Anträge der Opposition die sachlich behandelt und auch teilweise für gut befunden werden, einen gute Informationspolitik und nicht zuletzt wahnsinnig kompetente Gemeindebedienstete, die absolut überparteilich agieren. Alles in allem eine gute Atmosphäre.

Dass es bei weitem nicht in allen Gemeinden so harmonisch zugeht, ist mir durch Erzählungen bekannt. Dass es auf Landes- und Bundesebene ganz und gar anders ist, wissen wir alle. Mir stellt sich die Frage: warum kann nicht das Gemeinsame überall in den Vordergrund gestellt werden, so wie es in Obertrum am See geschieht? Warum sind die Eigeninteressen oft so viel mehr wert als das Wohl der ganzen Gemeinde, von der man schließlich ja gewählt wurde? Oder bin ich momentan nur noch nicht so tief drinnen um nicht zu erkennen, dass es überall gleich ist? Die Zukunft wird es zeigen!