« Zurück zur Übersicht

Mehr Hilfe für Salzburgs Bettler

Quelle: Die Presse vom 02.01.2015

Der Virgilbus bietet Bettlern und Obdachlosen in Salzburg seit Anfang Dezember eine medizinische Notversorgung.

GR Sebastian Huber
GR Sebastian Huber

Für die Bettler in der Stadt Salzburg war es fast so etwas wie ein Weihnachtsgeschenk: Seit Beginn der Adventzeit steuert der Virgilbus jeden Sonntag jene Quartiere und Plätze an, die stark von Obdachlosen und Bettlern frequentiert werden. Im Bus erhalten sie einfache medizinische Hilfe. „Diese Menschen haben keine Krankenversicherung und eine große Scheu zum Arzt zu gehen“, sagt der Mediziner Sebastian Huber. Der Neos-Gemeinderat hatte die Idee für den Virgilbus und Unterstützer für das Projekt gesucht.

In einem umgebauten Rettungsauto fahren Ärzte, Sanitäter und Dolmetscher nun zu den Unterkünften und beraten und behandeln die Menschen ambulant. Nach den ersten Einsatztagen kann Huber schon eine vorläufige Bilanz ziehen: „Die Menschen nehmen unser Angebot immer besser an.“ Am letzten Sonntag vor Weihnachten etwa sind 13 Menschen betreut worden.

Gelenksbeschwerden, grippale Infekte oder Magenprobleme gehören zu den häufigsten Problemen der Patienten. Noch kommen ausschließlich Bettler aus Südosteuropa, gedacht ist der Viriglbus aber für alle Obdachlosen. Das Projekt wird gemeinsam von der Ärztekammer, dem Roten Kreuz, den Maltesern und Samariterbund betreut. Sie wechseln einander bei der Bereitstellung des Busses und der Fahrer ab. Die Apothekerkammer stellt Medikamente bereit. Ärzte stellen sich ehrenamtlich für den Einsatz zur Verfügung. „Das erste Halbjahr 2015 habe ich schon alle Dienste eingeteilt“, sagt Huber und freut sich über die Einsatzbereitschaft seiner Kollegen.

Vorübergehendes Notquartier

Der Virgilbus ist eines von mehreren niederschwelligen Angeboten für Bettler und Obdachlose in der Stadt Salzburg, die in den vergangenen Monaten entstanden sind. So hat die Salzburger Caritas im November mit der Arche Nord ein vorübergehendes Notquartier in einem Wohnblock in der Rudolf-Biebl-Straße eröffnet. Bis zu 35 Menschen haben Platz. Sie können dort schlafen, duschen und ihre Kleidung wechseln. Finanziert wird die Schlafmöglichkeit zur Hälfte von Stadt und Land und durch Spenden. Die notwendigen Kosten für die Adaptierung von rund 5000 Euro hat dabei ein einziger Spender übernommen.
Sehr lang wird es das Notquartier aber nicht geben. Denn mit Ende März muss die Caritas das Haus wieder räumen, weil es abgerissen wird. Gesucht wird nach wie vor ein Gebäude, in dem eine dauernde Notschlafstelle eingerichtet werden kann.

Immerhin gibt es Schätzungen zufolge rund 200 bis 300 Menschen, die in der Stadt Salzburg auf der Straße leben. Rund die Hälfte sind Bettler, die zum großen Teil in Gruppen aus Südosteuropa kommen. Die Stadt hat im Herbst eine Informationsbroschüre aufgelegt, die in mehreren Sprachen und mit Symbolen den Bettlern die für sie geltenden Regeln nahebringt. So ist etwa laut dem Heftchen stilles Betteln erlaubt, das Betteln vor Geschäftseingängen oder Trinkwasserbrunnen dagegen verboten. Die Bettler werden zudem darauf hingewiesen, dass sie öffentliche Toiletten benutzen und in der Zeit zwischen 22 und 6 Uhr keinen Lärm machen sollen.

Keine Chance auf Realisierung hat unter den politischen Mehrheitsverhältnissen das von Vizebürgermeister Harald Preuner (ÖVP) gewünschte Bettelverbot – er hat erst im November einen neuen Anlauf für sein Vorhaben gestartet. Preuner will an bestimmten Plätzen der Innenstadt in der Zeit zwischen acht und 19 Uhr das Betteln generell untersagen. Nur so könne man die wachsende Zahl der Bettler in der Stadt Salzburg wirksam beschränken, ist Preuner überzeugt. SPÖ, Grüne und Neos lehnen das ab.