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Keine schnellen Wege aus der Armut

Salzburger Delegation auf Studienreise in Rumänien – Presseaussendung des Diakoniewerk Salzburg

Aus zahlreichen Begegnungen nimmt die Delegation (im Bildhintergrund) prägende Eindrücke zu prekären Lebensbedingungen in Rumänien nach Salzburg mit.
Aus zahlreichen Begegnungen nimmt die Delegation (im Bildhintergrund) prägende Eindrücke zu prekären Lebensbedingungen in Rumänien nach Salzburg mit.

Die extreme Armut in Rumänien wird auch in den nächsten Jahrzehnten eine große Herausforderung sein, der nur mit massiven gesamteuropäischen Anstrengungen begegnet werden kann. Intensive Investitionen in nachhaltige Bildungs- und Qualifikationsmaßnahmen sind ein zentraler Schlüssel dafür, dass der Kreislauf der Armut, insbesondere der Roma-Bevölkerung, durchbrochen wird. Bis dieses Ziel erreicht ist, werden die enormen Gegensätze zwischen Rumänien und Westeuropa zu Armutsmigration führen. Dies war eine wichtige Erkenntnis der TeilnehmerInnen einer Studienreise einer Salzburger Delegation nach Rumänien.

Vertreter der Salzburger Plattform „Armut hat Platz“ reisten von 7. bis 10. September mit der Salzburger Bürgermeister-Stellvertreterin Anja Hagenauer (SPÖ) sowie den SozialsprecherInnen von ÖVP (Marlene Wörndl), Bürgerliste (Ulrike Saghi) und NEOS (Sebastian Huber) in die Landkreise Sibiu und Alba Julia in Rumänien. Ziel der Reise war es, durch den Besuch von Sozial- und Bildungsprojekten sowie in Gesprächen mit verschiedensten Vertretern von Politik und lokalen Behörden differenzierte Einblicke in das rumänische Sozialsystem zu bekommen.

Im Rahmen eines dichten Programmes wurden unter anderem beeindruckende Entwicklungsprojekte speziell für die Gruppe der Roma, Einrichtungen des Diakoniewerks im Bereich der Behindertenarbeit und der aufsuchenden Sozialarbeit sowie städtische Kinder- und Altenheime besucht. Zudem konnte sich die Delegation beim Besuch mehrerer Romasiedlungen einen unmittelbaren Eindruck zu den zum Teil dramatischen Lebensbedingungen dieser Bevölkerungsgruppe machen.

Dabei wurde deutlich, dass nur jene Projekte zu einer nachhaltigen Verbesserung der Lebenssituation führen, die mit engagierten Personen und gemeinsam mit erfahrenen NGOs bzw. den lokalen Kommunen in einer langfristigen Partnerschaft umgesetzt werden.

Angesichts der großen Armut in Rumänien fehlen in allen sozialen Bereichen die erforderlichen finanziellen Mittel. Neben einem stärkeren finanziellen Engagement der Europäischen Union wird es auch Initiativen wie Städtepartnerschaften oder Projektunterstützungen geben müssen, damit ausreichend Ressourcen für die Bekämpfung der bestehenden Armut zur Verfügung stehen. Eine Mindestpension von 80 Euro bei vergleichbaren Lebenshaltungskosten wie in Österreich macht deutlich, wie ausgeprägt das Armutsproblem in Rumänien ist. Klar ist, dass auch der rumänische Staat künftig mehr gefordert sein wird, den Auf- und Ausbau der Sozialsysteme noch stärker zu forcieren.

Die DelegationsteilnehmerInnen haben unisono festgestellt, dass die unmittelbare Begegnung mit großer Armut und die Reflexion der Eindrücke über parteipolitische Grenzen hinweg verbindet und das gemeinsame Suchen nach konstruktiven Lösungsansätzen erleichtert. Die Reise der Salzburger Delegation könnte so gesehen ein Modell auch für andere österreichische Kommunen sein.