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Erhalt des „Henkerhauses“ in der Neukommgasse

Foto-Henkerhaus-I

Im Jahr 1599 ließ Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Reitenau die ursprüngliche Richtstätte von der Schallmooser Hauptstraße nach Gneis verlegen. Hinrichtungen zogen immer ein großes Publikum an, eine authentische Beschreibung einer Hinrichtung und der gesellschaftlichen Rolle des „Henkerhauses“ ist uns durch den Reisebericht des siebenbürgischen Theologen Stephan Ludwig Roth aus dem Jahr 1817 überliefert.

„Nach der Rede kehrte der Pater zum Scharfrichter, der ein hübsches Haus in der Nähe hat, ein. Er trug den Kranz, der um ein schwarzes Kreuz gebunden war und welches der Hingerichtete in den zusammengebundenen Händen gehalten hatte, mit sich hinein. Diese Kränze, deren der Scharfrichter 34 haben soll, sind der Stolz des Scharfrichters, an welchen er seine vollzogenen Gerichte zählt. Die Obrigkeit folgte. Es wurde getrunken, geschmaust, gelacht. Seine Töchter, die ordentlich angezogen waren, trugen der Menge, die noch da herum stand, Krapfen feil, wovon sich viele kauften, und mit Appetit aßen. Niemand kam es in den Sinn, von einem Ehrlosen, wie nämlich der Scharfrichter in Siebenbürgen gilt, nichts anzunehmen. Ein Bettler würde von ihm nichts annehmen; ein Mensch, der mit ihm aus einem Glas tränke, verlöre selbst Achtung und Ehre“. Über 200 Jahre lang fanden auf der Wiese neben dem „Henkerhaus“ alle Hinrichtungen Salzburgs statt.

Das ehemalige „Henkerhaus“ steht in der Neukommgasse und befindet sich in Privatbesitz des Martinbauern. Bedauerlicherweise verschlechtert sich der Zustand des „Henkerhauses“ zusehends. Wenn nichts unternommen wird, wird das „Henkerhaus“ bald zur Gänze verfallen sein. Auch wenn sich das „Henkerhaus“ in privatem Besitz befindet, wäre der Verfall des Hauses des ehemaligen Stadthenkers für die Stadt Salzburg ein unwiederbringlicher Verlust.

Gemäß § 22 GGO ergeht folgender Antrag

Der Bürgermeister wird aufgefordert, mit dem Eigentümer des „Henkerhauses“ in Verhandlungen zu treten, um das „Henkerhaus“ – als wichtiges Dokument der Rechtsgeschichte der Stadt Salzburg – vor seinem weiteren Verfall zu bewahren. Die Finanzabteilung wird aufgefordert zu prüfen, ob die Stadt Salzburg einen finanziellen Beitrag zum Erhalt des „Henkerhauses“ leisten kann.