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Digitaler Bildflug im Auftrag der Stadt liefert präzise Geodaten

Spezialkamera bildet aus 2000 Metern Höhe noch acht Zentimeter große Details ab

Luftaufnahmen in bisher nicht vorhandener Qualität, Bild: Stadt Salzburg / J. Killer
Luftaufnahmen in bisher nicht vorhandener Qualität, Bild: Stadt Salzburg / J. Killer

In einem Streifenmuster ist vor wenigen Tagen eine zweimotorige Cessna stundenlang auf einer Höhe von ca. 2000 m (über Grund) das Stadtgebiet von Salzburg abgeflogen. Zweck des aufwendigen Flugmanövers: Im Auftrag der Stadt Salzburg wurden hochpräzise Luftbilder des Stadtgebiets hergestellt. Baustadträtin Barbara Unterkofler, die für die MA 6/03-Vermessung und Geoinformation ressortzuständig ist: „Wir erzeugen Luftaufnahmen der Stadt mit bisher nicht vorhandener Qualität. Diese Bilder sind wiederum Basismaterial für unsere digitale Stadtkarte, mit der etwa Stadtplanung oder Bauabteilung tagtäglich arbeiten. Und wir werden die neuen Bilder auch im Internet in unseren Online-Stadtplan integrieren.“

Fotos ermöglichen 3 D-Stadtmodell

Hergestellt wurden die Bilder von einer Spezial-Luftbildkamera, die in den Boden der Cessna 303 fix installiert ist. Die Kamera besitzt einen 260-Megapixel-Flächensensor und zeichnet in Farbe, Schwarzweiß und Infrarot auf. Das System „schießt“ bei „Reisetempo“ 150 Knoten alle 1,8 Sekunden ein Bild, jedes einzelne Bild ist fünf Gigabyte groß. Jeweils benachbarte Bilder sind zu 80 Prozent überlappt – so wird einerseits eine hohe Datenpräzision erreicht und auch die Option zur Erstellung detaillierter dreidimensionaler Geodaten (z.B. Oberflächenmodell, 3D-Gebäudemodelle) eröffnet.

2.170 Luftbilder geschossen

In Summe wurden 2.170 Bilder hergestellt und ein rund 90 Quadratkilometer großer Bereich mit der Stadt Salzburg im Zentrum erfasst. Um die Luftbilder exakt einjustieren (georeferenzieren) zu können, wurden vom Vermessungsamt der Stadt an zuvor definierten Bereichen am Boden Passpunkte signalisiert, die per GPS genau vermessen wurden. Die Luftbilder wurden im Auftrag der Stadt von der Tiroler Spezialfirma Terra Messflug GmbH (als Partner der AVT ZT-GmbH) aufgenommen. Pilot Mario Königstorfer und Operator/Kopilot Marko Schnelzer sind mit dem eine Million Euro teuren Kamera- und EDV-Equipment in halb Europa unterwegs. Kosten für den Bildflug und die nachfolgende Aufbereitung der Daten: Rund 33.000 Euro.

„Mit dem aktuellen Bildflug werden erstmals die Voraussetzungen geschaffen, dass gleichzeitig

  • die Bereitstellung hochgenauer digitaler Orthofotos (differentiell entzerrte Luftbilder) für unterschiedliche raumbezogenen Entscheidungsprozesse
  • die photogrammetrische 3D-Auswertung von Bodenmarkierungen, Dachformen, Gelände, u.v.m.
  • sowie die Ableitung (Prozessierung) eines hochpräzisen Oberflächenmodells als Grundlage für den Aufbau (Führung) eines 3D-Stadtmodells

möglich ist“, erklärt Hannes Wenger, Leiter des städtischen Vermessungsamts. Diese parallelen Möglichkeiten hatte die Stadt bis jetzt nicht.

Um den genannten Anforderungen zu genügen, muss der Bildflug in einem jahreszeitlich schmalen Fenster durchgeführt werden: „Es darf kein Schnee mehr liegen und die Vegetation darf noch nicht belaubt sein“, erklärt Wenger.

„Kartenausdrucke“ auch für Private

Luftbilder stellen u.a. eine Basis für Salzburgs „Digitale Stadtkarte“ dar, in der auf verschiedenen Datenebenen die unterschiedlichsten Fachthemen eingetragen sind: Etwa sämtliche Leitungseinbauten, alle Detail-Infos zu Gebäuden und Grundstücken, Vegetation, Flächenwidmung, Kanalstränge, aber auch Wahlsprengel oder Bombenverdachtsflächen. Wenger: „Die Digitale Stadtkarte ist einerseits Arbeitsgrundlage für die täglichen Aufgaben in verschiedensten Bereichen des Magistrats. Private Interessenten – etwa Bauherrn – können die „Kartenausdrucke“ in analoger und digitaler Form aber auch gegen Abgeltung des Manipulationsaufwandes erwerben.“

Dank der hohen Überlappung der Bilder kann in Folge auch ein sehr genaues 3D-Modell der Stadt erstellt werden. Derzeit läuft bei der Lieferfirma der Luftaufnahmen noch die technische Aufbereitung der Bilder, dies wird bis zum Frühsommer andauern. Dann werden die Luftbilder im Internet auf Salzburgs Online-Stadtkarte aktualisiert. Dort wird man die Auflösung allerdings etwas reduzieren, um eine akzeptable Performance zu gewährleisten.